Rundwanderung auf den höchsten Berg von Südwales

Brecon Beacons Horseshoe – Wanderung auf dem Grat

Im gleichen Englandurlaub (Beitrag letzte Woche: Cornwall) machten wir auch eine Wanderung auf den höchsten Berg von Südwales, den „Pen y Fan“ mit immerhin 886m. Im Herz des Brecon Beacons Nationalpark liegt eine hufeisenförmige Bergkette, die aus vier höheren Gipfeln besteht und ein Tal umfasst, in dem man parken und die Wanderung starten kann. Die „Horseshoe“-Wanderung folgt der Bergkette einmal um das Tal herum und ist zwischen 15 und 16 km lang. Durch die vielen Anstiege und Abstiege ist sie mit einer reinen Gehzeit von 5 bis 6 Stunden angegeben.


Auf der Hinfahrt zu dem Nationalpark beobachteten wir immer wieder das Wetter und hofften, dass es noch etwas aufklaren würde, denn es gab immer wieder ein paar Schauer. Leider hatten wir kein Glück und die Bergketten schienen die Wolken geradezu anzuziehen. Tief hingen die grauen Nebel an den Bergflanken und verschleierten die Gipfel. Wir beschlossen trotzdem die Wanderung zu wagen mit der Option jederzeit umdrehen zu können, wenn es zu unangenehm wird. Im Tal ging es zunächst auf einem größeren Weg in Richtung Fluss, der mitten durch das Tal floss. Gelbliches Gras bildete einen schönen Kontrast zu den dunkleren Bäumen am Fuß der Berge.

Aussicht auf Felder und Wiesen
Es war etwas neblig…

Wir überquerten den Fluss auf einer modernen Fußgängerbrücke und dann ging es auch schon in den ersten Aufstieg. Man startete etwa auf 430m und ging nun in steilen und unwegsamen, felsigen Treppenstufen 200m steil hinauf. Wegen des leichten Nieselregens hatten wir eigentlich Regenjacken an, zogen diese aber für den Aufstieg teilweise aus, weil man durch die Anstrengung sehr ins Schwitzen kam.

Dann waren wir auf dem Grat angekommen, der nun in mal mehr und mal weniger steilem Auf und Ab komplett um das Tal herumführen würde. Heidekraut blühte zwischen Grasbüscheln, die einige Schafe am Abknabbern waren. Durch den vielen Niederschlag hier in den letzten Wochen waren die Wege schlammig und mit vielen Pfützen gesprenkelt, so dass man aufpassen musste keine nassen Füße zu bekommen. Ohne festes Schuhwerk sollte man diese Wanderung nicht starten. Teilweise schlängelte sich der Weg durch die Wiese direkt auf dem Bergrücken, so dass uns der kühle Wind direkt traf, teilweise liefen wir im Windschatten an der Seite zum Tal hin. Einige Male verlief der Pfad direkt an der steilen Kante, so dass Schwindelfreiheit zum Wohlfühlen sicherlich beitrug. Es wäre bestimmt wunderschön hier oben gewesen, wenn wir auch etwas von der Aussicht hätten genießen können, doch leider sahen wir nicht einmal den Boden des Tals, da wir in einem trüben Nebel gefangen waren, der alles verhüllte. Es war ruhig und wir überholten immer wieder andere Wanderer – es war gar nicht mal so wenig los für das eher schlechte Wetter. Aber vermutlich sind Waliser diese Art von Wetter gewohnt und es war immerhin ein Wochenendtag.

Wir folgten nun dem Wanderweg entlang des Bergrückens in Richtung erstem höheren Gipfel, dem Corn Du mit 873m. Auf jedem erhöhten Punkt fanden sich Steinhügel, die den Gipfel markierten, sogenannte Cairns. Teilweise gibt es die hier schon seit der Bronzezeit. Es nieselte nun dauerhaft, weswegen wir auch recht schnell gingen. Es machte wenig Sinn für schöne Aussichten anzuhalten, wenn man diese nicht sehen konnte. Somit war die Wanderung mehr ein Training und der Spaß in der Natur und den Bergen zu sein – eine kleine Challenge kann ja nicht schaden.

Steinhaufen in Großbritannien
Es klarte leider nicht auf...

Schnell erkletterten wir den die steile Felsflanke des Corn Du und waren überrascht hier so viele Menschen zu sehen. In der Nähe musste ein Parkplatz sein und der Weg hinauf wohl nicht so matschig wie unserer, denn viele hatten nur Sneaker an, die alle sehr sauber aussahen. Wir blieben nicht lange und stiegen direkt wieder hinab, um den Nachbarberg, den Pen y Fan, zu erklimmen. Hier war auch nicht mehr so viel los, so dass wir entspannt ein paar Gipfelfotos machten. Als höchster Berg im südlichen England ist er jedoch besonders bei gutem Wetter ein beliebtes Ausflugsziel.

Paar auf dem Gipfel des Pen Y Fan
Geschafft!

Der Weg hinunter war nicht so gut zu finden auf dem steinigen Boden ohne Hinweisschilder, aber dann ging es steil bergab. Da die Felsen nass waren und viele Bruchstücke und lose Steine herumlagen, musste man gut aufpassen. Ich persönlich laufe ja lieber hoch als runter, weil ich beim Runterlaufen immer schnell mal hinfalle und daher meine Oberschenkel stark belaste – am nächsten Tag hatte ich vom Runterlaufen dann auch einen Muskelkater des Todes.

Wir sahen immer noch nicht viel von den umliegenden Gipfeln, aber langsam konnten wir das Tal wiedererkennen hier am von unserem Parkplatz weitesten entfernten Punkt. Wir beschlossen den Weg ein wenig abzukürzen, da die Sicht einfach nicht gut war und das Wetter sich auch nicht besserte und somit würden wir die anderen beiden Gipfel etwas weiter unten umgehen. Das würde uns ein paar Höhenmeter sparen und etwa einen Kilometer der Gesamtstrecke. Die Wege waren auch auf dieser Seite nass, aber sie wurden langsam etwas breiter, so dass es einfacher war entgegenkommenden Wanderern auszuweichen. Wir sahen auch einen jungen Mann in Soldatenuniform und Rucksack, denn diese Strecke wird vom Militär wohl gern als Übungsstrecke genommen (etwa 10 Meilen durch die Berge bei voller Montur ist bestimmt anstrengend).

Wanderweg in Europa
Matschige Wege…

In der Mitte des Tals lag eine Ruine, die ich mir gerne genauer angeschaut hätte, aber falls es einen Weg dorthin gab, übersahen wir ihn und durch das nasse Gras zu laufen wollte ich auch nicht. Also folgten wir weiter dem Weg und bogen dann nach rechts ab in Richtung Neuadd Reservoir, wo wir noch durch ein paar Tore gehen mussten, die verhinderten, dass Schafe auf die Straße liefen, und dann ging es schon die letzten Meter auf einer ausgebauten Straße entlang zurück zum Auto.

Nach etwa 3,5 Stunden kamen wir wieder am Parkplatz an, das Tal hinter uns noch immer in Wolken und waren froh direkt in trockene Sachen schlüpfen zu können. Ich behielt nur meine Unterwäsche an und mummelte mich dann ein wenig ausgekühlt auf den Beifahrersitz. Wir hatten noch die restliche Fahrt nach London vor uns.

In Wales muss man vermutlich immer mit ungemütlichem Wetter rechnen und auch Wetterumschwünge sind nicht selten, also sollte man auf jeden Fall Regenjacke und festes Schuhwerk einpacken, wenn man hier Wandern gehen möchte. Die Gegend ist aber selbst bei Dauerregen wunderschön – ich hätte nur gerne mehr davon gesehen. 😀 Fazit: Eine tolle, aber auch anstrengende Wanderung für die man sich gut einen Tag Zeit nehmen sollte, um die Natur bei gutem Wetter richtig zu genießen.

Bach in Südwales
Und zurück im Tal…

Mareike

35 Jahre, aus der Nähe von Bremen.

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