Blackstairs Mountains & Brandon Hill

Drei kleine Gipfelwanderungen in Irland

Die Grenze zwischen den Countys Carlow und Wexford bildet eine längliche Hügelkette, die Blackstairs Mountains. Die beiden höchsten Gipfel sind über 700 m hoch: der Mount Leinster (793 m) und der Blackstairs Mountain (735 m). Auf beide Gipfel stiegen wir im Juli und August 2023 an unterschiedlichen Tagen hinauf. Am südlichen Ende der Bergkette fließt der Fluss Barron durch das Land und bildet eine weitere natürliche Grenze zwischen dem County Carlow und dem County Kilkenny – und direkt auf der anderen Seite steht ein einzelner Berg, der Brandon Hill (515 m), den wir auch bestiegen.


Da jede der Wanderungen nur recht kurz ist, stelle ich sie alle hier in diesem Artikel vor, anstatt einzelne kurze Artikel zu schreiben. Die Aussichten und Natur sind recht ähnlich und auch geografisch liegen die einzelnen Gipfel nicht weit voneinander entfernt, so dass man den einen oft vom anderen aus im Blick hat.

Mount Leinster (Irisch: Stua Laighean):

Wenn man eine Herausforderung sucht zum Radfahren, eignet sich dieser Gipfel besonders gut, denn es gibt mehrere Routen, die von unten hinaufführen und ausgeschildert sind mit Angaben zu Steigungen – und es wird sehr, sehr steil, was wir schon im Auto merkten. Da ein Funkmast und eine kleine Station auf dem Gipfel des Mount Leinster steht, führt eine geteerte Versorgungsstraße bis ganz auf den Gipfel. Diese ist auf den letzten paar Kilometern gesperrt mit einem großen Parkplatz davor, so dass wir dort das Auto stehen ließen.

Die Bergkette „Blackstairs Mountains“…

Es war ein sonniger und warmer Tag und so waren auch recht viele Leute unterwegs. Mark hat den Parkplatz noch nie so voll gesehen, oft ist er der einzige dort. Am Ende wartete sogar ein Eiswagen auf uns, bei dem wir uns belohnen konnten, aber vorher mussten wir noch hochlaufen. Es sind vom Parkplatz etwas mehr als 5,5 km hoch und wieder runter, wobei man 355 Höhenmeter macht. Der Weg an sich ist nicht sehr spannend, da es sich um eine Straße handelt, auch wenn dort keine Autos fahren. Auf der einen Seite war Wald, auf der anderen hatte man schöne Aussichten, die besser wurden je höher man kam. Oben konnte man zwischen Schafen um den abgesperrten Funkmast herumlaufen und einmal die Aussicht in jede Richtung genießen. Dafür hatte sich das Herkommen auf jeden Fall gelohnt. Wir sahen im Süden auf der anderen Talseite den Gipfel des Blackstairs Mountain und es war erstaunlich wie gut die Sicht von hier oben war.

Wenn man nicht nur schöne Aussichten sondern auch noch etwas mehr Natur möchte, kann man vom Parkplatz in die andere Richtung laufen, wo es auf sanft ansteigenden Pfaden auf einem Bergrücken weitergeht. Man kommt nicht so hoch, dafür kann man den Hügeln jedoch ohne Straße unter den Füßen folgen – die Seite gefiel mir viel besser. Als wir dort waren, ließ eine Familie im unteren Teil Drachen steigen und weiter hinten waren wir allein mit ein paar Schafen und dem niedrig wachsenden Heidekraut.

Für ein paar einfache und schnelle Höhenmeter und tolle Aussichten auch nach regenreichen Tagen ist der Mount Leinster ein super Ausflugsziel.


Blackstairs Mountain (Irisch: An Staighre Dubh):

Den zweithöchsten Berg der gleichnamigen Berggruppe fuhren wir von der Wexford-Seite an. Eigentlich hatten wir vorgehabt eine längere Wanderung zu machen, den Berg zu überschreiten und auf der anderen Seite am Hang des Berges wieder zurück zum Startpunkt zu laufen, aber das Wetter sah nicht sehr stabil aus und die Wege auf der südlichen Seite des Gipfels sahen nicht sehr häufig genutzt aus. Wir entschieden uns dagegen.

Der Start der Wanderung ist nördlich des Berges im Tal, wo ein kleiner Parkplatz vielleicht 4 bis 5 Autos Platz bietet. Man startet viel weiter unten als beim Mount Leinster, so dass am Ende über 500 Höhenmeter überwunden werden mussten.

Der Start des Weges ist schon abenteuerlich: ein schmaler Eingang in der Steinmauer neben der Straße führt in ein dunkles Dickicht, durch das sich der holprige Weg nun schlängelt. Kleinere und größere Steine liegen auf dem Boden und es ist nur Platz für eine Person. Nach einigen Minuten kommt man jedoch hinaus auf die Weiden, muss über oder unter Zäune klettern und ein paar Schafen ausweichen, dann zwischen ein paar typischen Steinmauern links oder rechts entlanglaufen und dann landet man auf dem Hauptweg, der stetig bergauf führt. Selbst an trockenen Tagen läuft man über nasse, sumpfartige Terrassen, auf denen sich das Regenwasser sammelt. Ich hatte keine wasserfesten Schuhe mit und trug nur meine Laufschuhe, so dass ich versuche von Stein zu Stein und Grasbüschel zu Grasbüschel zu springen. Ich war nicht immer erfolgreich und hatte so bald Wasser in den Schuhen, aber da es nicht zu kalt war, störte es mich nicht allzu sehr. Eine Familie kam uns mit Gummistiefeln entgegen, die wussten auf jeden Fall, was sie erwartete.

Der Weg war leicht zu finden, denn er war wie ein dunkler Riss in der ansonsten ziemlich perfekt bewachsenen Bergflanke. Wir hatten Glück mit der Jahreszeit, da die allgegenwärtige Heide schon angefangen hatte zu blühen und es sah wunderschön aus. Oft blieb ich einfach kurz stehen und schaute mich um. Die Aussichten wurden immer besser je höher man kam, auch wenn sich nun die Landschaft nicht mehr veränderte.

Ganz oben wirkte der Gipfel fast blank gefegt von Wind und Wetter, nur kurzes Gras wuchs über dunkler Erde und Felsen und Steine lagen zuhauf herum. In der Mitte markierte ein Cairn den höchsten Punk des recht weitläufigen Gipfels. Hier war es ziemlich windig, so dass wir nicht lange blieben und nur kurz den Blick in die Ferne schweifen ließen. Da wir auf dem selben Weg wieder zurück mussten, konnten wir diesmal etwas schneller gehen, denn es ging nun bergab und wir mussten auch nicht nach dem Weg suchen, auch wenn man manchmal entscheiden musste, wo die trockensten Stellen sein würden.

Mit etwa 7 km Länge hin und zurück ist es eine wunderbar erfrischende Wanderung, wenn man das richtige Schuhwerk trägt. Da es ausschließlich über mit Heide und Gräsern bewachsene Weiden und durch die Natur geht, fand ich diesen Wanderweg natürlich etwas ansprechender als die Straße hoch zum Mount Leinster – auch wenn ich dort trockenen Fußes ankam.


Brandon Hill (Irisch: Cnoc Bhréanail):

Neben dem Tal, durch das der Fluss Barrow fließt, liegt der höchste Berg des County Kilkenny, keine 15 km Luftlinie vom Blackstairs Mountain entfernt. Rund um den Berg gibt es mehrere Wanderwege, die man zu Rundwegen kombinieren kann und auch der South Leinster Way – ein 104 km langer Wanderweg – führt dort vorbei. Da ich es mag einen Gipfel als Ziel zu haben, beschlossen wir den Weg zu wählen, der uns nach oben führen würde.

Es gibt mehrere Parkplätze und somit auch unterschiedliche Startpunkte für die Wanderungen und von unserem Startpunkt aus würden es etwa 320 Höhenmeter nach oben sein. Es ging meist auf Schotterwegen entlang, die die Berghänge durchzogen, somit blieben meine Füße trocken und wir kamen gut voran. Es ging durch kleine Wälder und entlang von mit Wildblumen bewachsenen Gebüsch.

Da es mehrere Wege gab, gab es auch gelegentlich ein Schild, das einem den Weg zum Gipfel wies und der letzte Teil ging dann über grasbewachsene Pfade die Bergflanke hinauf. Wieder liefen wir durch eine Heidefläche mit kurzen Gräsern zwischen den rosa blühenden Pflanzen, bis diese weiter oben von Gras und Felsen abgelöst wurden. Ein altes Gipfelkreuz lag umgestürzt am Rand des Weges und kurioser Weise lag eine Matratze in dem kleinen Raum, den der Sockel bildete. Ein neues, kleineres Kreuz stand ein paar Meter weiter, wurde aber von einem großen Cairn in Schatten gestellt.

Die Sicht war trotz dunkler Wolken super und man konnte bis zur Küste von Wexford blicken. Ein runder Tisch diente als Wegweiser und zeigte die Richtungen und Distanzen von anderen Bergen, Flüssen und Dörfern an. Es war windig, aber zumindest war der Boden trocken, so dass wir alles einmal erkundeten, bevor es wieder an den Rückweg ging.

Da wir einfach denselben Weg wieder zurück gingen, weil wir den anderen Weg irgendwie nicht fanden, den wir eigentlich nehmen wollten, machten wir am Ende etwa 7 km Strecke. Diesen Weg und die Gegend kann ich am meisten empfehlen, da man vielseitige Natur hat, sich unterschiedliche Routen und Längen aussuchen kann und die Füße auch nicht nass werden.


Es waren sehr schöne drei Gipfel mit sehr unterschiedlichen Wanderungen und ich bin froh alle gemacht zu haben. Sehr touristisch ist keiner der drei Berge, so dass man selbst an guten Tagen nicht allzu viele Menschen erwarten muss – wir waren immerhin in der Hauptsaison während der Schulferien dort. Man kann jede Wanderung recht kurz gestalten oder sie verlängern – je nach eigenen Vorstellungen. Es ist für jeden was dabei. 😊

Mareike

35 Jahre, aus der Nähe von Bremen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert