Wanderung auf einen heiligen Berg

Croagh Patrick, County Mayo, Irland

Wir verbrachten ein paar Tage in der Nähe von Westport in einem kleinen Bed and Breakfast und erkundeten den Strand und die Küste mit den vielen kleinen Inseln bei mäßig gutem Wetter. Der scharfe Wind trieb die Regenwolken schneller über dem Atlantik zusammen und an die hügelige Küste, als sie abregnen konnten. Trotzdem kam immer wieder die Sonne hervor und so nutzten wir den sonnigsten Vormittag, um den berühmten Croagh Patrick, der sich am Tag zuvor noch hinter einer grauen Wolkenwand verborgen hatte, zu besteigen.


Dieser etwa 760 m hohe Berg fällt mit seiner pyramidenförmigen Kuppe neben den anderen kleineren Bergen auf und erhebt sich so fast aus dem Wasser in den Himmel. Mit weniger als 1000 Höhenmetern und einer recht kurzen Wanderdistanz von nicht einmal 4 km pro Strecke, waren wir uns recht sicher, dass wir die Wanderung recht schnell und hoffentlich vor dem angesagten Regen schaffen würden.

Eine Statue vom heiligen Sankt Patrick markiert den Start der Wanderung…

Unten am großen Parkplatz befinden sich ein paar kleine Cafés und ein Besucherzentrum, denn dies ist nicht nur ein wirklich schöner Berg, sondern eben auch ein heiliger Ort, zu dem Ende Juli tausende von Menschen pilgern. Archäologen haben Anzeichen dafür gefunden, dass hier schon vor tausenden von Jahren Aktivitäten stattgefunden haben und dass dieser Berg schon damals eine spirituelle Andachtsstätte gewesen ist. Heutzutage ranken sich viele Legenden um Sankt Patrick, der auf dem Gipfel 40 Tage gefastet und dann die Reptilien von der Insel verbannt haben soll. Daher auch der Name (irisch: Cruach Phádraig), was in etwa „Patricks Haufen“ bedeutet.

Der erste Teil des Weges war noch sehr gut ausgebaut und führte vom Parkplatz direkt in die grünen Wiesen am Hang des Berges. Hier musste man dann durch eine Pforte hindurch schreiten und betrat das Land, das nun nur noch von Schafen bewohnt wird. Der Weg war breit ausgetreten, super einfach zu finden und führte relativ gerade und stetig bergauf. Als helle Spur kann man den Pfad schon von unten einfach erkennen im dunklen Hang des Berges.

Gutes Wetter und breite Wege…

Wir stiegen auf zu einer Schulter, von der wir nun auch einen tollen Blick auf die dem Meer abgewandte Seite werfen konnten. Weitere Hügel, Wälder und Seen taten sich märchenhaft vor uns auf. Ein Blick zurück zeigte uns die Küstenlinie aus der Vogelperspektive. Viele Inseln, Wasser und Himmel, über den tief liegende Wolken zogen. Wir waren noch nicht oben und schon konnte man verstehen, warum dieser Berg seit so langer Zeit als heiliger Ort bekannt ist.

Nun kam der letzte Anstieg auf recht steinigem Gelände. Eine breite Straße, auf wie in einem Tetrisspiel zusammengelegten Steinen, zog sich einige hundert Meter den Berg hinauf – bis sie abbrach. Es sah jedoch so aus, als würde an dem oberen Teil gearbeitet werden, um diesen Weg bis zum Gipfel zu verlängern. Der Rest war für viele der Familien, die wir hier trafen, auch gar nicht so einfach, denn der letzte Abschnitt war steil, bestand oft aus lockeren Steinen und bröseliger Erde und vielen großen Schritten, die man nach oben machen musste.

Kurze Zeit später standen wir jedoch oben auf dem Gipfel des Croagh Patrick und ließen uns den kalten Wind um die Ohren wehen. Der Gipfel war recht weitläufig und es stand eine weiße Kirche neben einem Steingrab, auf dem viele Wanderer die Bilder von verstorbenen Geliebten und Familienmitgliedern niedergelegt hatten. Die erste Kirche war wohl schon im 5. Jahrhundert hier gebaut wurden und man konnte sehen, dass viele der Bilder und Texte recht neu waren. Dieser Ort wird regelmäßig von Gläubigen besucht.

Wir machten eine kurze Pause dort oben, suchten nach ein bisschen Windstille, wanderten auf dem Gipfel herum, machten ein paar Fotos, genossen die Aussicht und dann ging es wieder hinunter. Wir überholten nun viele der Familien, die uns vor dem Gipfel entgegen gekommen waren, da wir recht schnell unterwegs waren. Unfairerweise muss man sagen, dass wir diese Art von Untergrund kannten und uns schnell bewegen konnten – uns motivierten die aufziehenden dunklen Wolken vor uns über dem Meer.

Im flacheren unteren Teil joggten wir immer wieder und sprangen von Stein zu Stein und kamen so schnell voran. Der Teil mit losen Kieseln ist jedoch immer mein schlimmster Feind, da ich einfach immer auf den kleinen Steinen ausrutsche. Besonders wenn ich langsam gehe und es steil ist. Aber auch dies schafften wir und mussten dann noch den letzten Teil auf ziemlich rutschigen Felsen überwinden, denn nun hatte es angefangen zu regnen. Die armen Wanderer, die uns gerade alle noch im unteren Teil entgegen gekommen waren…

Nach 7,5 km, knapp 750 Höhenmetern und knapp 2,5 Stunden kamen wir wieder am Parkplatz an und freuten uns auf die warme Dusche im B&B nur ein paar Minuten von hier entfernt.

Eine wunderschöne Bergwanderung, die alles zu bieten hat, was man sich wünschen kann: Steigung, Felsen, aber auch die tollen Aussichten auf das Meer oder Inland.

Mareike

35 Jahre, aus der Nähe von Bremen.

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