2 Tage Pilgern auf dem Kumano Kodo in Japan

In Vorbereitung auf unsere Reise nach Japan hatten mein Freund und ich mehrere Wanderwege recherchiert. Dabei sind wir auf den Kumano Kodo gestoßen, ein buddhister Pilgerweg auf der Kii-Halbinsel südlich von Osaka. Die Fotos und Beschreibungen überzeugten uns ebenso wie die Länge eines der verschiedenen Wege mit insgesamt nur 38km, die wir in 2 Tagen absolvierten.


Japan ist bekannt für seine vielen gut ausgeschilderten Wanderwege, der Kumano Kodo ist jedoch nicht nur landschaftlich reizvoll sondern auch kulturell. Da wir insgesamt nur 4 Wochen Zeit in Japan hatten und noch viele andere Ziele auf dem Plan hatten, kam eine längere Wanderung leider nicht in Frage.
Und so reisten wir mit dem ersten Zug von Osaka nach Tanabe auf der Kii-Peninsula. Von hier aus mussten wir dann noch ungefähr eine dreiviertel Stunde mit dem Bus nach Takihiri-Oji fahren, wo wir unsere Wanderung auf der Nakahechi Route begannen.
Hier gab es noch eine kleine Tourist-Information in der wir einen Stempel-Pass erhielten, in dem wir auf der gesamten Route an verschiedenen Tempeln, Statuen und Ortschaften Stempel sammeln konnten.

Der Kumano Kodo ist neben dem Jakobsweg der einzige Wanderweg der von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Außerdem ist dieser Stempel-Pass beidseitig nutzbar, einmal für den Kumano Kodo und einmal für den Jakobsweg. Wenn man durch die Stempel beweisen kann, dass man beide Pilgerwege gelaufen ist kann man ein Zertifikat als „dual pilgrim“, also Dualer Pilgerer beantragen. Laut der Tourist-Information in Takihiri-Oji gab es zu diesem Zeitpunkt (Juni 2023) erst ungefähr 3000 Personen insgesamt die so ein Zertifikat erhalten haben.
Für uns bedeutet dies: bald wollen wir auch noch einmal einen Jakobsweg laufen.

Aber zurück zum Kumano Kodo. Wenige Meter hinter der Tourist-Information erreichten wir den ersten Tempel. Mit uns aus dem Bus waren noch zwei weitere Wanderer ausgestiegen, ein Japaner der schneller auf dem Weg war als wir und den wir danach nicht noch einmal gesehen haben, und ein Chinese der tatsächlich zum Pilgern und beten hierher gekommen war und nicht wie wir hauptsächlich zum Wandern.
Ihm begegneten wir in den nächsten 2 Tagen immer wieder, denn auch wenn er etwas schneller unterwegs war als wir, so hielt er dafür an jedem Tempel und Statue für ein Gebet an.

Wir hatten vorab gelesen, dass es auf dem Weg Schlangen und giftige Tausendfüßler gibt, und so hatten wir „Glück“ beides innerhalb der ersten halben Stunde unserer Wanderung zu Gesicht zu bekommen.
Wir wanderten durch dichten Wald, immer wieder vorbei an kleinen Tempeln und Statuen und kamen alle paar Kilometer durch kleinere Dörfer und Orte hindurch. Der Weg war immer sehr gut ausgeschildert, auch auf Englisch, so dass wir uns keine Sorgen machen mussten uns zu verirren.

Nach ungefähr 13 km erreichten wir am ersten Tag unser Etappenziel im Ort Chikatsuyu. Hier hatten wir ein traditionelles japanisches Gästehaus gebucht. Was man beim Wandern in Japan auf jeden Fall beachten sollte, ist dass man die Unterkünfte vorab bucht. Denn die Japaner stellen sich nicht unbedingt auf Personen ein, die ohne Reservierung erscheinen. Besonders in kleinen Gästehäusern. Wir haben mit einem niederländischen Wanderer gesprochen und er war eine halbe Stunde vor dem Check-In an seiner Unterkunft und hier war dann auch einfach noch niemand. So kann es einem natürlich auch gehen wenn man nicht reserviert und einfach schaut wo noch etwas frei ist, dass dann niemand an der gewählten Unterkunft ist.

Wir hatten auf jeden Fall vorab reserviert und kamen nach der genannten Check-In Zeit an. Wir wurden dann in unser Zimmer gebracht, rollten die Futon-Matten auf dem Boden aus und gingen dann erst einmal ins Onsen – so werden in Japan heiße Quellen bezeichnet: Diese sind üblicherweise nach Geschlechtern getrennt und so war es auch hier der Fall.

Nachdem wir uns etwas entspannt hatten, gab es auch schon Abendessen, welches man hier im Normalfall dazu bucht, da es in der Umgebung keine Restaurants oder Supermärkte gibt. Hier unterhielten wir uns gut mit den anderen Gästen unter anderem auch einer Familie aus Neuseeland.

Am nächsten Morgen gab es Frühstück in unserer Unterkunft und danach wanderten wir direkt wieder los, denn heute hatten wir um die 25 km vor uns, um am Tempel Kumano Hongu Taisha zu enden. Die verschiedenen Routen des Kumano Kodo verbinden die drei Haupttempel der Region, der Kumano Hongu Taisha ist einer davon.

Bei bewölktem Wetter machten wir uns auf den Weg und wanderten noch ein ganz schönes Stück weiter bis wir den Ort Chikatsuyu verließen, der sehr lang gestreckt war. Zunächst ging es für uns bergauf bis wir das Ende des Ortes erreichten. Von hier ging es bergauf und bergab, aber wir waren gut gestärkt und fühlten uns fit. Wie am Tag zuvor wanderten wir immer wieder an kleinen Statuen vorbei und diesmal auch an einem Wasserfall.

An diesem Tag lernten wir Rens kennen, einen Niederländer mit dem wir uns gut verstanden und dann zusammen liefen. Wir hatten vorher den Wetterbericht gecheckt und wussten, dass es am Nachmittag regnen sollte, deswegen wollten wir so viel wie möglich vom Weg bereits geschafft haben bevor der Regen einsetzte.

Leider schafften wir es jedoch nicht komplett und liefen noch ca. eine halbe Stunde bis Stunde im Regen bis wir den Tempel erreichten. Hier schauten wir uns etwas um und stellten fest, dass wir doch irgendwie mehr erwartet hatten, dafür, dass dieser Tempel so berühmt war.

Danach liefen wir gesammelt (die neuseeländische Familie hatten wir auch unterwegs wieder getroffen) zur Bushaltestelle und fuhren dann ca. 15-20 Minuten in den Ort Yunomine Onsen, in dem wir die nächste Unterkunft gebucht hatten. Als wir den Ort erreichten schüttete es noch mehr und so liefen wir nur noch zu unserem Hostel und verließen dieses für den restlichen Tag nicht mehr. Das brauchten wir aber auch nicht, denn hier hatten wir das Glück, dass es private Onsens gab und wir eins erhaschten, was draußen und zur Hälfte überdacht war, so dass es im Wasser schön warm war, aber noch etwas Erfrischung durch den Regen von oben kam.

Den restlichen Abend verbrachten wir im Gemeinschaftsraum und gingen erschöpft relativ früh ins Bett. Am nächsten Tag nahmen wir dann den ersten Bus, der uns nach Shingu brachte, wo wir den zweiten der drei Haupttempel, den Kumano Hayatama Taisha besuchten. Auch dieser war zwar schön, aber für uns nicht das Highlight der Reise.

Von Shinghu ging es dann weiter nach Kii-Katsuura, wo wir auch die Nacht verbringen würden. Da wir aber zu früh für den Check-In dran waren, fuhren wir erst einmal mit dem Bus weiter zum dritten Haupttempel, dem Kumano Nachi Taisha, welcher mit seiner roten Pagode und einem Wasserfall im Hintergrund ein absolutes Highlight der ganzen Japan-Reise war. Das merkte man auch daran, dass hier deutlich mehr Touristen waren.
Als wir das riesige Tempelgelände zu Ende angeschaut hatten machten wir uns wieder auf den Weg nach Katsuura, wo wir etwas am Meer lang liefen und einen entspannten Abend verbrachten.

Der Kumano Kodo war unser absolutes Wanderhighlight in Japan, da er total abwechslungsreich ist und tolle Natur, viel Kultur mit den Tempeln und Statuen und auch noch Entspannung in den Onsens in den Unterkünften bietet.

Insa

35 Jahre, aus der Nähe von Bremen

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