2 Tage im Seoraksan Nationalpark in Südkorea

Nachdem mein Freund und ich bereits in Seoul im Bukhansan Nationalpark einen ersten Eindruck von südkoreanischen Wanderwegen erhalten hatten, machten wir uns auf den Weg in den Osten des Landes, um den Seoraksan Nationalpark zu besuchen.


Von Seoul ging es für uns in die Hafenstadt Sokcho, wo wir eine Nacht verbrachten, Proviant für die nächsten Tage besorgten und unsere Sachen umpackten. Den Großteil unserer Sachen konnten wir freundlicherweise in unserer Unterkunft zwischenlagern.

Wir hatten vorab eine Nacht in einer Hütte im Nationalpark gebucht und würden danach wieder nach Sokcho zurück kehren. Das mit dem Hütte buchen war jedoch doch etwas komplizierter als gedacht. Denn der Buchungszeitraum wird immer am 1. eines Monats für alle Tage vom 16. bis Ende des Monats eröffnet und dann am 15. für alle Buchungen vom 1. des Folgemonats bis zum 15. des Folgemonats. Wir hatten dies rechtzeitig gelesen und eigentlich vorgehabt eine Nacht am 16. in einer Hütte zu buchen. Der Buchungszeitraum wird immer um 10:00 Uhr koreanischer Zeit, also 3:00 Uhr deutscher Zeit, geöffnet. Wir dachten uns, dass es ja kein Problem sein sollte, wenn wir dann um 6:00 Uhr, wenn wir sowieso aufstehen, die Buchung vornehmen. Aber weit gefehlt. Denn, da der 16. auf einen Freitag fiel, waren bereits alle Betten im ganzen Nationalpark komplett ausgebucht.

Also entschieden wir uns dafür unseren Aufenthalt in Seoul um eine Nacht zu verkürzen und bereits am 15. im Nationalpark zu übernachten. Auch hier war nur noch eine von insgesamt 4 Hütten
verfügbar. Man bekommt keine Bestätigungs-Email und muss sich seine Daten und Bestätigungsnummer vom Display notieren. Die Übernachtung selbst zahlt man erst vor Ort in bar.

Wir machten uns also am nächsten Morgen gegen 6 Uhr auf den Weg, um den ersten Bus von der Stadt in den Nationalpark zu nehmen, welcher ungefähr eine dreiviertel Stunde bis Stunde gebraucht hat.
Zunächst wanderten wir einen recht flachen Teil, der uns zu einem Fluss führte und dann immer an ihm entlang. Unterwegs sahen wir überall Streifenhörnchen und da wir so früh gestartet waren, waren nicht viele andere Wanderer in die gleiche Richtung unterwegs. Je später es wurde umso mehr Menschen kamen uns jedoch entgegen, die vermutlich nach einer Übernachtung in einer der Hütten den Rückweg angetreten hatten.

Wir hatten vor der Wanderung mit dem Besitzer unserer Unterkunft in Sokcho über eine mögliche Route gesprochen, wir wollten möglichst einen Rundweg laufen und nicht die gleiche Strecke auf dem Hin- und Rückweg zurücklegen. Er meinte, dies wäre vielleicht etwas viel für einen Tag, aber wir entschieden uns dennoch dafür es zu probieren. Und so machten wir uns an der Weggabelung auf den Weg in Richtung Daecheongbong, dem höchsten Gipfel des Nationalparks. Wenn wir diesen besteigen würden, müssten wir von unserem Rundkurs einmal abbiegen und ca. 1,5 Stunden zusätzlich für An- und Abstieg einplanen. Eine gute Karte des Nationalparks findet man auf dem englischen Blog roamscapes.com.

Als wir diesen Punkt erreichten, fühlten wir uns jedoch fit und wollten auch diesen Weg und den Ausblick vom Gipfel sehen. Und so wanderten wir, nachdem wir bereits den Großteil unseres Anstiegs für den Tag geschafft hatten, noch einmal wieder etwas nach unten, um dann den Anstieg zum Gipfel zu machen. Hier trafen wir einige Wanderer, mit denen wir uns auf Englisch unterhielten und eine Pause einlegten.

Dann machten wir uns jedoch auch schon wieder auf den Weg weiter, denn bis zu unserer Hütte hatten wir noch ein gutes Stück vor uns, auch wenn der Großteil hiervon flach oder bergab verlief. Was uns jedoch verwunderte war, dass unsere Hütte auf keinem der Schilder stand, obwohl wir schon an verschiedenen anderen Hütten vorbei gekommen waren, die allesamt sehr gut ausgeschildert waren (und alle von der Regierung unterhalten werden). Und so versuchten wir einige Wanderer, die uns entgegen kamen, danach zu fragen. Diese sprachen jedoch kein Englisch und wir kein Koreanisch. Gut, dass wir aufgeschnappt hatten, dass die Koreaner die Hütten wie im Englischen „Shelter“ nennen und so versuchten wir es mit diesem Wort und zeigen auf den Weg und uns wurde bestätigt, dass in die Richtung eine Unterkunft wäre.

Je später es wurde, umso erschöpfter waren auch wir und als wir endlich die Hütte erreichten, waren wir mehr als glücklich. Hier stellte sich jedoch das nächste Problem: wir hatten im Internet auf verschiedenen Blogs gelesen, dass man einen Schlafsack ausleihen kann und hatten deswegen keinen mitgebracht. Dies waren jedoch leider veraltete Informationen, denn seit Corona würden sie dies nicht mehr machen. Und so verbrachten wir eine Nacht auf einem harten Holzboden ohne Decke oder Schlafsack. Gott sei Dank war es in dem Schlafsaal relativ warm, so dass die Nacht nicht kalt sondern nur sehr unbequem wurde.

Am nächsten Morgen verteidigten wir unser mitgebrachtes Frühstück in Form von Bagels mit Erdnussbutter noch vor den Streifenhörnchen und machten uns dann wieder auf den Weg zurück.
Diesmal über eine andere Route. Hier trafen wir noch auf einen netten Franzosen, der mit seiner koreanischen Frau unterwegs war und erzählte, dass sie die schwierigste Route, die sogenannte
Dinosaur Ridge, wanderten. Hier müsse man sich wohl oft auch an Stahlseilen hochziehen und der Weg sei deutlich anspruchsvoller und man bräuchte grundsätzlich länger. Dieses Mal hatten wir hier einfach nicht die Zeit dafür.

Wir wanderten dann weiter in Richtung Ausgang und es wurde immer heißer und heißer. An dem Tag wurden es noch um die 35 Grad. Und uns war dies schon zu viel beim steilen Weg bergab. Da waren wir dann doch ganz froh, dass wir die Wanderung einen Tag vorgezogen hatten, denn sonst hätten wir die Hitze auf dem Hinweg gehabt.

Wir quälten uns den Berg wieder herunter bis wir zur Gabelung am Fluss waren und das letzte flache Stück, welches wir ja schon vom Vortag kannten, zurückliefen. Am Eingang gibt es einige Restaurants und Coffee Shops und wir gönnten uns zur Feier des Tages erst einmal einen Blaubeersmoothie bevor wir den Bus zurück nach Sokcho nahmen und einen entspannten Abend verbrachten.

Der Seoraksan Nationalpark ist auf jeden Fall eine Reise wert, viele Wanderer die wir getroffen haben, sagten, dies sei der schönste Nationalparks Südkoreas und auch wenn ich nicht alle anderen gesehen habe, kann ich dies verstehen. Die Landschaft ist wirklich ein Traum.

Insa

35 Jahre, aus der Nähe von Bremen

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